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Wer Gott begegnet, wird verändert  
 

 

Unsere Erfahrungen mit Anbetung


von David Vetterle, JMEM Hurlach



Zur Zeit erleben wir hier im Hurlacher Zentrum von Jugend mit einer Mission (JMEM) eine Reihe neuer und dynamischer Entwicklungen: Es gibt hier eine Anbetungsschule (1) und besondere Lobpreis-Events, die wir "IGNITE-Abende" nennen. Im letzten Sommer fand das erste IGNITE-Jugendcamp mit ca. 20 Teilnehmern statt. Unsere offenen Veranstaltungen hier im Hurlacher JMEM-Zentrum (die wöchentlichen "Schloss-Abende" (2) sind sehr gut besucht und erleben eine starke Dynamik.



Wie ist es dazu gekommen?

Eigentlich ist diese Entwicklung gar nichts Neues. Wir hatten vor fünf Jahren den Eindruck, dass Gott uns auffordert, an eine frühere Dynamik anzuknüpfen und die alten Quellen der Anbetung hier in Hurlach wieder "auszugraben".

Damals am Ende der 70er Jahre war vom Hurlacher Zentrum von Jugend mit einer Mission und anderen Gemeinschaften eine "Anbetungswelle" ausgegangen, die Deutschland geradezu überflutet und viele Gemeinden erreicht hatte (3). Viele fanden in diesen Liedern das, was sie sich schon immer gewünscht hatten: Endlich konnten sie Gott mit Liedern anbeten, die genau das ausdrücken, was sie in ihrem Herzen fühlten. Und das war damals etwas völlig Neues. Manche sind stundenlang gefahren, um eine solche Anbetungszeit mitzuerleben. Die Sehnsucht, Gott real zu begegnen, war riesengroß. Und für die JMEM-Mitarbeiter damals war das der größte Wunsch: Sie wollten begabte Menschen dazu ausbilden, Gott mit dem Herzen anzubeten; sie wollten ihnen zeigen, dass Gott immer zuerst an uns als Menschen interessiert ist und nicht an dem, was wir tun.

Daraus entstand der Wunsch, wieder eine solche Welle der Anbetung zu erleben. Unser Traum ist, dass dieser Impuls zur Verherrlichung Gottes dieses Mal noch stärkere Auswirkungen haben soll: Anbetung soll Deutschland beeinflussen, verändern und auf den Kopf stellen.

Es gibt gute Gründe dafür, dass dies keine überzogene Erwartung ist, denn dahinter steht die tiefe Überzeugung: Ein Leben in der Anbetung kann Menschen verändern. Deshalb haben wir die Hoffnung, dass Menschen Gott auf eine neue, nie da gewesene Art und Weise begegnen. Es geht uns um Anbetung, die Menschen verändert und die dann auch die Gemeinden erreicht. Und wenn Gemeinden sich auf diese Weise für Gottes Anliegen öffnen, dann finden sie mit ihrem Engagement auch den Weg in die Gesellschaft hinein.

Wenn ich mich in den Gemeinden und Kirchen umschaue, dann sehe ich überall, wie dieser "Hunger", Gott real zu begegnen, immer größer wird. Vor allem bei der jungen Generation ist das ganz deutlich zu beobachten. (4)



Gott sucht Anbeter - und wir schulen sie

Aus diesem Grund haben wir im September 2002 unsere erste Anbetungsschule, die so genannte "SCALD" (1), begonnen. Der Leitvers für diesen ersten Kurs war die Aussage Jesu, dass Gott nach den wahren Anbetern sucht, die ihn "im Geist und in der Wahrheit" anbeten (Joh 4,23).

Gott ist in jeder Generation auf der Suche nach solchen Menschen, die ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Das sind Menschen, die ihm radikal nachfolgen, ohne drauf zu schauen, was andere denken. Es bedeutet m. E. auch, dass wir Gott nicht nur zu festgelegten Zeiten (z. B. bei den Anbetungszeiten im Gottesdienst), sondern mit unserem Leben anbeten, mit unserer ganzen Existenz - durch das, was und wer wir sind.

Wenn wir Gott in diesem Sinn anbeten, dann bedeutet das: Wir werden uns verändern, denn in Gottes Gegenwart wird keiner so bleiben, wie er ist. Wer Gott begegnet, kann nicht zufrieden sein mit dem, was er bisher erlebt hat und wer er ist. Er weiß: Es gibt da noch viel mehr von Gott. Daraus ensteht dieser "Hunger" und der Wunsch, unser Leben so zu verändern, dass wir Gott jeden Tag näher kommen können.

Anbetung ist der Ort, an dem wir Gottes Gegenwart und Nähe erleben: Da "sitzen wir auf dem Schoß" unseres Vaters und hören seinen Herzschlag. Dort können wir hören, was auf seinem Herzen ist – sei es das Gebet für einen Menschen oder für eine ganze Nation, Ermutigung für andere oder einfach nur das ruhige Verweilen in seiner wohltuenden Gegenwart. In dieser Haltung der Anbetung "klinken wir uns ein" in seinen Willen - und daraus entsteht eine starke Geborgenheit und Dynamik.



Leidenschaft für Gott

In der Anbetung finden wir also Ausrichtung und Kraft für unser alltägliches Leben, für unsere Arbeit, für unseren Dienst. Und ich glaube nicht, dass diese Erfahrung nur Menschen im Vollzeit-Dienst bei JMEM oder anderen Missionswerken vorbehalten ist.

Aus diesen Gründen ist Anbetung so wichtig; deshalb hat sie ein so großes Veränderungspotential, das sogar für unsere Gesellschaft relevant ist (5).

Wie stark Gott in Zeiten der Anbetung wirkt und uns Orientierung gibt, konnte ich während einem unserer "IGNITE"-Abende beobachten. Das englische Wort ignite bedeutet entzünden. Diese Bezeichnung und das Konzept für diese Events ist aus unserer ersten Anbetungsschule (SCALD 2002) entstanden. Unser Ziel: Wir wollen junge Leute durch Anbetung und Lobpreis für Jesus "entzünden", neue Leidenschaft für Gott entfachen. Inzwischen ist dieses IGNITE-Projekt auch zahlenmäßig gewachsen (von ca. 50 auf durchschnittlich 200 Gäste von außerhalb). (6)

Und bei einem dieser Lobpreisabende im letzten Sommer wurde mir klar, dass wir die Offenheit für die Themen, die Gott am Herzen liegen und wichtig sind, lernen müssen. Damals fand der IGNITE-Abend in Landsberg am Lech statt (7). In einem großen Zelt waren ca. 300 junge Menschen versammelt um Gott anzubeten. Auf einmal begannen 14- und 15-jährige Teenies unter Tränen laut für ihre eigene Generation zu beten. Sie fingen an, zu prophezeiten und gemeinsam zu Gott zu schreien. Gottes Gegenwart war so stark spürbar; und keiner hatte das in diesem starken Maß erwartet. Es war das Schönste, was passieren konnte, weil Gott direkt und klar sprach, weil die Gebete so direkt aus dem Herzen dieser Jugendlichen kamen - prophetische Fürbitte für ihre eigene Generation.



Gottes Gegenwart führt die Generationen zusammen

Und noch etwas anderes ist bemerkenswert: Bei jedem IGNITE-Abend haben wir Leute aus der Elterngeneration mit dabei. Sie sind eine wichtige Unterstützung:
- Sie helfen z. B. durch ihre prophetischen Impulse, die uns zeigen, in welche Richtung es weitergehen soll. Ich war oft froh, solche Anregungen zu bekommen, während ich die Anbetung geleitet habe.
- Wenn wir einen Aufruf machen und Gebet anbieten, dann dienen sie uns jungen Leuten durch ihr Gebet.

Wenn wir das so praktizieren und es auch den jungen Leuten in unserem Umfeld beibringen, dann ist das allein schon ein deutliches Gegengewicht gegen destruktiven Trends in der Gesellschaft: An vielen Stellen wird die ohnehin schon vorhandene Spannung zwischen den Generationen verschärft. Aber von Gott lernen wir etwas anderes: Seine Gegenwart führt zusammen. Dort wo sein Geist wirkt, wird den destruktiven Trends in der Gesellschaft ein konstruktives Miteinander entgegengesetzt.

Natürlich gibt es auch bei uns immer wieder Auseinandersetzungen; manchmal fehlt das Verständnis zwischen den Generationen, was Musikstil, Lautstärke oder die Auswahl der Lieder betrifft. Aber ich habe es auch schon erlebt, dass die vermeintlich "alte" Generation freier vor Gott getanzt hat als die Teenies. Genauso habe ich die alten Choräle - z. B. die Lieder von Paul Gerhardt (1607-1676) - zu schätzen gelernt und spiele sie wieder öfter - manchmal allerdings in einer etwas moderneren Version ...

Gott hat sich selbst als den Gott "Abrahams, Isaaks und Jakobs" vorgestellt - er ist ein Gott, der für alle Generationen da ist. Es gab und gibt keine von Gott bevorzugte Generation, sondern viel mehr die Notwendigkeit, das alle Generationen einander brauchen, um den Plan Gottes beim Bau seines Königreiches zu erfüllen. Was die eine Generation an Dynamik, Risikobereitschaft und Power hat, hat die andere an Gelassenheit, Ausdauer und Lebensweisheit. Beide brauchen einander!

Und dann gibt es auch noch Leute wie mich, die sich (mit 27 Jahren) auch nicht mehr zu den ganz Jungen zählen. Ich sehe mich als ein Bindeglied, als einen "Isaak" - d. h. als jemanden, der eine Brücke schlagen will zwischen zwei Generationen, die manchmal so weit voneinander entfernt scheinen. Das sollten wir Christen überall in die Praxis umsetzen. Für diese Aufgabe schlägt mein Herz - mit der Bitte an die Eltern- und Großeltern-Generation: Helft uns dabei! Wir brauchen euch!



David Vetterle (27) ist seit 1999 Mitarbeiter bei Jugend mit einer Mission (JMEM). 2001 hat er selbst an einer SCALD (Anbetungsschule) in Südafrika teilgenommen mit dem Ziel, diesen Kurs nach Hurlach zu bringen. Er engagiert sich seit vier Jahren als Anbetungsleiter, ist seit 2002 hauptsächlich in diesem Arbeitsbereich tätig, leitet zusammen mit anderen die IGNITE-Veranstaltungen und war 2003 Leiter der SCALD.




Anmerkungen

(1) SCALD bedeutet bedeutet "School of Creative Arts & Leadership Development" (zu deutsch: "Schule für kreative Künste und Leiterschaftsausbildung"). In Deutschland gibt es dieses zweisprachige Kursangebot (deutsch / englisch) erst seit letztem Jahr. Das Ziel der SCALD-Kurse ist, junge Menschen mit kreativer Begabung und einer entsprechenden Berufung angemessen auszubilden, damit sie sich mit ihren Gaben aktiv im Leben ihrer Gemeinde oder Missionsorganisation einbringen können. - Im JMEM-Zentrum in Hurlach (Oberbayern) wird am 9.Januar 2005 die nächste SCALD beginnen(Voraussetzung ist eine Jüngerschaftsschule - DTS bei JMEM). - Kontakt-Möglichkeiten: JMEM Hurlach / SCALD, Schlossgasse 1, D-86857 Hurlach, Tel. 08248-122-21 (SCALD) oder 08248-122-0 (JMEM Hurlach), E-Mail: scald@ywam-hurlach.de, Internet: www.SCALD.de

(2) vgl. www.jmem-hurlach.de

(3) Ein gutes Beispiel dafür ist die Holy Spirit Night (vgl. come Nr. 6 S. 9; www.holyspiritnight.de).

(4) s. DER AUFTRAG Nr. 69 - Diesen Aspekt behandet v. a. der Artikel "Was hat Anbetung mit der Gesellschaft zu tun?" und die Beiträge von F.-W. Künneth, W. Margies ("Was passiert, wenn Gott nicht mehr gelobt wird?"), A. Frey ("Lobpreis - Krieg in der unsichtbaren Welt").

(5) Getragen wird das IGNITE-Projekt von einem Leitungsteam, das sich aus Mitarbeitern von Gemeinden in der Umgebung und JMEM-Mitarbeitern zusammensetzt. Dahinter steht der Wunsch, dass diese Abende in Einheit veranstaltet werden und dass wir als "Leib Christi" (vgl. ... ) gemeinsam vor Gott stehen.

(6) Dieser spezielle Abend war einerseits der Abschluss für unser "Camp Ignite" von JMEM Hurlach und andererseits der Startschuss für das Jugendcamp der Vineyard-Gemeinden in Deutschland und der Schweiz.



Lesetipps

- Roland Werner/Guido Baltes, Faszination Jesus. Was wir wirklich von Jesus wissen können, Aussaat Verlag, Neukirchen-Vluyn 1992

- Guido Baltes, Anbetung konkret. Ermutigung zu einem lebendigen Lobpreis, Aussaat Verlag, Neukirchen-Vluyn 1993


Anbetung ist mehr ...

In der Ausgabe Nr. 69 der JMEM-Zeitschrift AUFTRAG (Thema: "Anbetung ist mehr") finden Sie u. a. Artikel von Lilo Keller, Marion Warrington, Wilf Gasser, Dr. Friedrich-Wilhelm Künneth, Mickey Wiese ("Ist Anbetung nur etwas für Erwachsene?"), Dr. Wolfhard Margies ("Was passiert, wenn Gott nicht mehr gelobt wird?"), Albert Frey ("Lobpreis - Krieg in der unsichtbaren Welt") und Peter Helms ("In der Anbetung das Herz Gottes berühren"). Direkt zum Thema: "Was hat Anbetung mit der Gesellschaft zu tun?" - Bestellmöglichkeit: come Medienservice GmbH oder www.DER-AUFTRAG.de






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