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DTS - eine Schule fürs Leben
Charakterbildung ist eine gesellschaftsrelevante Aufgabe! von Holger Schein "So, nun habe ich meinen Schulabschluss in der Tasche. Was jetzt vor mir liegt, ist klar: Karriere machen, Auto kaufen, Haus bauen ..." - Das sind jedenfalls die Erwartungen, denen junge Leute nach der Lehre oder Schule oft ausgesetzt sind. Aber es gibt auch einige, die aussteigen und eine Alternativ-Idee verwirklichen: Sie besuchen z. B. eine "Lebensschule" oder "Jüngerschaftsschule" oder nehmen für eine bestimmte Zeit am Leben einer christlichen Kommunität teil. So eine Orientierungsphase bringt nicht nur dem einzelnen etwas. Fachleute beschreiben diese Zusammenhänge folgendermaßen: Weil immer mehr Jugendliche keine funktionierende Familie als Lernsituation für soziales Verhalten haben, seinen immer weniger Menschen bereit, sich sozial zu engagieren (vgl. Kasten unten über die schwierige Lage von Jugendlichen). Wenn aber diese Wertevermittlung nachlässt und gute Vorbildfiguren fehlen, dann braucht unsere Gesellschaft ergänzende Angebote. Deshalb ist Charakterbildung auch ein gesellschaftlich relevantes Thema geworden. Das lässt sich z. B. anhand der "Jüngerschaftsschulen" (DTS = "Discipleship Traning School") zeigen, die seit Jahrzehnten von dem Missionswerk Jugend mit einer Mission (JMEM) angeboten werden. Durch eine solche 6monatige Lebensschule werden Werte vermittelt, die in der Erziehung junger Leute oft zu kurz kommen. In einer DTS geht es ja darum, Gottes Vorstellungen über das Leben zu entdecken und ihre befreiende Dynamik zu erleben. Nun sind diese Werte, die wir in der Bibel finden, anders als vieles, was unsere Umgebung prägt. Daraus ergeben sich ganz konkrete Anlässe, übernommene Werte zu hinterfragen und Verhaltensweisen zu ändern: Bekanntlich ist unsere Zeit stark vom Ideal der Selbstverwirklichung und von Individualismus geprägt. Auch in vielen Gemeinden ist die Gemeinschaftsqualität, die im Neuen Testament beschrieben ist, abhanden gekommen. Viele meinen: Ich kann auch gut ohne den Rat anderer auskommen; Christsein ist reine "Privatsache". Demgegenüber erleben junge Leute in einer DTS, dass es möglich ist, anderen zu vertrauen und sich zu öffnen ohne abgelehnt zu werden. Die Jüngerschaftsschule ist eine reale Lerngemeinschaft für soziales Verhalten: Während der ganzen Zeit gehören die Teilnehmer einer Gruppe an. Sie treffen sich regelmäßig in kleinen Austauschgruppen; und später im Einsatz bilden sie ebenfalls Teams. Sie lernen auch, dass ihr ganzes Leben wie ein offenes Buch ist, in dem die Menschen um sie herum lesen (vgl. 2 Kor 3,2.3). Die DTS-Lernsituation stellt den einzelnen immer wieder vor die Frage: Erwarte ich nur von den anderen, dass sie Vorbilder sind, oder habe auch ich diese Verantwortung? Ohne Verantwortungsbereitschaft kann keine Gesellschaft richtig funktionieren. Solche Werte eines gesunden Sozialverhaltens können während einer DTS in der Bibel entdeckt, in einem tieferen, schöpfungsgemäßen Sinn verstanden und dann auch praktisch eingeübt werden. So kann eine neue Generation heranwachsen, die über die eigene Generation hinausdenkt und die ihre Gesellschaft durch ein positives Vorbild aktiv prägen will. Solche Menschen können dann reife - auch im übertragenen Sinn - Väter und Mütter werden. Damit besteht die Chance, dass ein jahrzehntelang wirksamer Zyklus durchbrochen wird. Das Wesen einer DTS könnte so beschrieben werden: Es geht darum, Gott besser kennen zu lernen und in eine dynamische Freundschaft mit ihm hineinzuwachsen. Das bedeutet aber auch: Sich selbst besser kennen lernen und das Christsein praktisch im eigenen Leben umsetzen: Hier kann der Charakter reifen. Die DTS ist somit eine Herausforderung, im Charakter Jesus ähnlicher zu werden, als Jesus-Jünger verantwortungsbewusst zu handeln und in jeder Lebenssituation, in die Jesus einen hineinruft, sein Botschafter zu sein. Der Autor dieses Artikels: Holger Schein* (geboren 1963) stammt aus Hamburg und ist seit 1987 Mitarbeiter von Jugend mit einer Mission (JMEM). Er leitete u. a. ein JMEM-Zentrum in England und lebt jetzt mit seiner Familie in Kapstadt (Südafrika), wo er zu einem JMEM-Team** gehört, das weltweit DTS-Leiter ausbildet und sich um die Qualität dieser Kurse kümmert. * Holger Schein: http://www.ywamdtscentre.com/centre/staff/staff8.htm#holger ** The Centre for Discipleship Training Schools: http://www.ywamdtscentre.com/index.htm ------------------------------------------------------------------------------------------------ Gemeinsam sinnvoll leben lernen Hier einige empfehlenswerte Angebote: - JMEM-Jüngerschaftsschulen (DTS): www.jmem.de; www.uofn.edu oder www.dtsgermany.com (Tel. 08248 / 122-19) - OJC-Jahresmannschaften: www.ojc.de (Tel. 06164 / 93090) - Lebenszentrum Langenburg: www.lebenszentrum-langenburg.de (Tel. 07905 / 1245) - FCJG Lüdenscheid: www.mas.fcjg.de (Tel. 02351 / 668721) - Glaubenszentrum Bad Gandersheim: www.glaubenszentrum.de bzw. www.glaubenszentrum.de/bschule/schuljahr1.htm (Tel. 05382 / 930-0) - Jahresteam im Wörnersberger Anker: www.ankernetz.de (Tel. 07453 / 94950) - Übersicht über weitere Kommunitäten: www.kommunitaeten.de/links.htm ------------------------------------------------------------------------------------------------ Ulla und Günther Schaible Die schwierige Lage von Jugendlichen Mehrere Jahrzehnte lang haben wir junge Menschen begleitet. Unsere Beobachtungen lassen sich so zusammenfassen: - Zu viele Konflikte werden heute dadurch (scheinbar) gelöst, dass man ausbricht und ihnen aus dem Weg geht. Konfliktfähigkeit zu erlernen ist schwerer geworden. - Auch die Kunst, das eigene Leben bewusst und sinnvoll zu gestalten, stirbt aus. - In unserer Gesellschaft mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit kann oft nicht mehr handfest erlebt werden, dass Arbeit Sinn macht. Das war früher ganz anders. - Immer weniger Menschen in unserer Gesellschaft sind bereit, sich sozial zu engagieren. Der Grund: Sie haben es nie gelernt. Die Familie, in der soziales Verhalten und auch grundlegende praktische Fertigkeiten gelernt werden, fällt immer öfter aus. Dass ein Familienleben oft kaum noch stattfindet, ist nicht übertrieben. Die Familie fehlt dann als Lebens- und Beziehungsraum, in dem junge Menschen für das Leben vorbereitet werden. - Die Tendenz geht nach wie vor stark in Richtung Egoismus und Narzissmus mit der Lebensperspektive: "Alles muss sich um mich drehen." Wenn aber schnelle Lustbefriedigung so wichtig ist, dann führt die Lebensrealität immer wieder zu Frustrationen. - Andererseits stellen wir vermehrt fest, dass junge Menschen heute wieder nach dem Sinn ihres Lebens und nach den christlichen Grundwerten fragen. Hier sind dann geistliche Eltern gefragt, ob sie diese Grundwerte aus dem christlichen Glauben vorleben und weiter geben. Ulla und Günther Schaible haben u. a. mehr als zwei Jahrzehnte (bis 2004) den Wörnersberger Anker, ein christliches Lebenszentrum für junge Menschen und Familien im Nordschwarzwald, geleitet. ------------------------------------------------------------------------------------------------ "Charakterbildung muss bewusst gefördert werden." Lehrer am Theologischen Seminar BERÖA in Erzhausen, das seit Jahrzehnten junge Leute ausbildet, haben ihre Trend-Beobachtungen folgendermaßen zusammengefasst: "Wir stellen bei den jungen Leuten, die zu uns kommen, eine zunehmende Egoismusprägung durch die Gesellschaft fest. Besonders fallen uns im Umgang miteinander die folgenden Probleme auf: - weniger Rücksichtnahme und Gespür für die Lage anderer; infolgedessen Konflikte im Zusammenleben (Problemfelder: Umgang mit Eigentum von anderen, Respekt vor der Privatsphäre, Aufräumen, Lärmvermeidung) - mangelnde Fähigkeit eigenständig zu leben - grundsätzliche Anspruchs- und Erwartungshaltung - Respekt ist nicht mehr die Normalhaltung, sondern muss erst "verdient" werden Charakterbildung kann heute also nicht mehr stillschweigend vorausgesetzt werden, sondern muss bewusst gefördert werden." ------------------------------------------------------------------------------------------------ Holger Schein Warum sollte eine DTS für mich sinnvoll sein?! - Mission leben und erleben Während einer DTS geht es vor allem um die Fragen: Wie sieht Mission heute eigentlich aus? Ist Mission etwas für mich? Oder besser gefragt: Welche Form von Mission Teil ist meine Berufung? - Gottes Plan für die Welt und für mich verstehen Eine DTS hilft mir, Gottes Plan für die Welt besser zu verstehen (vgl. 1 Mose 12,1-3) und damit meinen eigenen Platz in diesem Plan zu finden. Während einer DTS lerne ich, Jesus anderen Menschen effektiv vorzustellen. Ich kann herausfinden, was es bedeutet Missionar in unserer Gesellschaft, im normalen Alltag zu sein. Je nach dem, wo mein Einsatzort ist, kann das aber auch ganz anders aussehen: Vielleicht bin ich dazu berufen, armen und bedürftigen Menschen Gottes Hoffnung bringen. Die DTS ist also eine Zeit in meinem Leben, die stark von der Frage geprägt ist: Wie sieht Gottes Plan für mein Leben aus? Wie kann ich mein Leben für ihn einsetzen? - Unser Horizont braucht Erweiterung Während einer DTS erleben wir andere Kulturen, lernen andere Weltanschauungen kennen – und dabei begreifen wir, dass wir alle eine Weltanschauung haben! Die große Frage heißt dann für mich: Wie biblisch ist diese Weltanschauung in meinem eigenen Kopf? Und das führt zu der Frage: Was glaube ich eigentlich? Warum glaube ich das? Und wie fest bin ich davon eigentlich überzeugt? - Eine dynamische Freundschaft mit Gott Eine DTS ist keine Bibelschule, sondern hat den Schwerpunkt: "Wie kann ich Gott besser kennen lernen und in eine dynamische Freundschaft mit ihm hineinzuwachsen?" - Nicht nur Gott besser kennen lernen ... Die meisten Leute sind tolle Christen, solange sie nicht mit anderen Menschen auskommen müssen. Während einer DTS lerne ich mich selber besser kennen und verstehen. Ich werde außerdem herausgefordert, das, was ich vom Christsein weiß und verstehe, auch tatsächlich zu praktizieren. Das bedeutet: Mein Charakter kann reifen. Ein großer Teil davon geschieht in Beziehungen mit anderen Menschen. Deswegen ist die DTS auch so konzipiert, dass alles im Leben einer Gemeinschaft stattfindet. Das Leben selbst ist das "DTS-Klassenzimmer". - Unzählige Türen ... Man sollte nicht vergessen, dass die DTS der Einstiegskurs für die Mitarbeit bei JMEM ist. Mit diesem Einstieg öffnen sich unzählige Türen und "globale Möglichkeiten" für mich; ich kann mein Leben so gestalten, dass Gottes Königreich gebaut wird. Eine dieser Tür ist die University of the Nations (UofN: www.uofn.edu). Diese JMEM-Uni ist eine tolle Herausforderung: Sie stellt unsere herkömmliche Vorstellung, dass wir als erstes eine vollständige Ausbildung haben müssen, auf dem Kopf - aber die Wichtigkeit von Ausbildung wird auch nicht geleugnet. Hier bekommt die Werte-Reihenfolge, die unsere Kultur uns eingetrichtert hat, die Chance, zurechtgerückt und nach Gottes Sichtweise korrigiert zu werden: Die Idee 'Bildung über alles' wird relativiert, wenn die Bildung ihren Platz in der Prioritätsliste mit biblischen Werten (z. B. 'Trachtet als erstes nach dem Reich Gottes") tauscht. Es geht also nicht in erster Linie um einen anständigen Abschluss, sondern um die viel wichtigeren Fragen: "Wie kann mein Leben dazu dienen, Gottes Reich zu bauen? Und welche Art von Bildung wird mir dabei helfen?" So kann eine DTS dabei helfen, dass eine Generation mit einer neuen Lebensrichtung heranwächst: eine neue Generation, die in jeder Hinsicht und in jedem Bereich der Gesellschaft "so denken will, wie Gott denkt".
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