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Ohne Gott: Die verzweifelte Reise ins Nichts
Die Postmoderne verstehen und ihr begegnen
von Frank Bauer*
Wir leben in einer Zeit, in der absolute Werte nicht mehr allgemein anerkannt sind; sie gelten nur als ein relatives Konstrukt des Menschen.
Es lebe der absolute Relativismus!
Für viele jungen Menschen geht es heute nicht mehr um Sinn und Unsinn, sondern um das, was man im Augenblick erlebt. Je abgedrehter, desto besser. Es lebe der absolute Relativismus! Es ist nicht die Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten - aber was möglich ist, wird auch erlebt und ausprobiert. Alles ist erlaubt, solange es irgendwem irgend etwas bringt. Aber sind die Menschen damit glücklich? Sind sie nicht vielmehr noch hungriger nach Orientierung und Halt geworden?
Niemand kann es den jungen Leuten verdenken, daß sie in der kalten, harten, steifen und gefühllosen Zeit der Moderne nicht mehr leben wollen. Der sich ins schier Unendliche entwickelnde Fortschritt ist als Illusion entlarvt, die Vernunft und der gute Mensch des Humanismus haben enttäuscht und auch nicht gehalten, was sie versprochen haben. Wer hält schon, was er verspricht? Viele Eltern lassen sich scheiden, und die Kids müssen dann mit den Konsequenzen und den daraus folgenden Schuldgefühlen kämpfen. Wenn das nicht ungerecht ist! Naja, dann trinkt man halt noch ́ne Cola und plaudert mit seinen Freunden, solange die wenigstens noch zu einem halten.
Die Kids wollen leben
Die sog. Postmoderne wird von vielen liebevoll als "Nihilismus des Lächelns" bezeichnet. Aber das genau ist die brutale Grausamkeit dieser Zeit. Alle Normen sind zerschlagen, alles ist nichtig - und gerade das zieht man sich mit einem genießerischen Lächeln voll rein. Kinder haben heute eine ganz andere Perspektive und andere Voraussetzungen als ihre Eltern. Viele Familien sind kaputt, und oft weiß ein Kind heute nicht mehr, ob der Vater, der gerade da ist, auch der richtige Vater ist, und wie lange er wohl noch bleibt. Das Vertrauen in Eltern und jegliche Autoritäten ist vielfach enttäuscht und gebrochen.
Trotzdem ist das Verlangen nach Gemeinschaft und Geborgenheit groß. Die Kids wollen leben und nicht in der Illusion über eine bessere Zukunft, wie ihre Eltern, weiter am Leben vorbei arbeiten.
Sie sind am Suchen und Ausprobieren ...
Wo die äußere Stabilität und der philosophisch feste Lebensrahmen wegfallen, müssen diese durch irgend etwas ersetzt werden. So sind alle am Ausprobieren und Suchen, was denn nun funktioniert und Sinn macht. Regeln und Gesetze, Absolute werden gemieden. Trotzdem müssen die Kids erkennen, daß Anarchie nicht lebbar ist. Wer den absoluten Relativismus logisch zu Ende denkt, muß in der Nichtigkeit des Seins und in der absoluten Verzweiflung des Lebens landen.
Dies verdeutlicht sich am Beispiel eines Helden des postmodernen Nihilismus, an Kurt Cobain (Sänger der Grunge-Band "Nirvana"). Er wurde zum Märtyrer der "Generation X", als er sich am 5.4.1994 eine Kugel durch sein Gehirn jagte. Kurt wollte kein Held sein, er wußte, daß er selbst verzweifelt und kaputt war, niemand retten und niemandem eine Antwort geben konnte. Gerade deshalb wurde er auch zum Held gekrönt. Das scheint unverständlich und unlogisch - aber hier wird wiederum der krasse Wechsel der heutigen Denkstrukturen deutlich.
Schmerz als Ausdruck von Leben
Viele junge Leute treibt der Schmerz ihrer Enttäuschungen und Orientierungslosigkeit fast in den Wahnsinn. Oft kämpfen sie mit Einsamkeit, weil niemand sie versteht oder sich um sie kümmert.
Es wird aber auch keinem leicht gemacht, an sie heranzukommen. Die ganzen Ohrringe, Nasenringe, Nieten und Stacheln sollen ja abschrecken und Leute fernhalten! Aber das 'Piercing' ist auch ein äußerer Ausdruck eines tiefen inneren Schmerzes. Man soll ihn sehen, diesen Schmerz! Und wir sind so abgebrüht und vor den Kopf gestoßen, daß wir diesen Schrei nicht hören. Warum fangen viele Jugendliche an, sich mit Rasierklingen und Messern in die Haut zu ritzen? Sie sagen, daß sie nur dann wissen, daß sie wirklich leben, wenn sie Schmerz empfinden.
Ehrlich sein und Mensch sein zählt
Ehrlichkeit ist angesagt, "der sein, der man ist und sein will". Flache, scheinheilige Antworten und Lösungen haben keine Chance mehr. Laßt uns die Scheinheiligkeit ablegen und ehrlich und real mit den Freuden und dem Leid unserer Zeit den Leuten begegnen! Jesus wurde Mensch. Er hat das Leid und den Schmerz seines Gegenübers nicht ignoriert oder mit einer oberflächlichen, nur theoretischen Auslegung abgespeist. Er ist den Menschen - ein Mensch geworden.
Wir sind gerufen, uns den Enttäuschungen und Schmerzen unserer Mitmenschen zu stellen. Wir wollen die Menschen lieben und ihnen die Versöhnung mit dem Vater anbieten (2 Kor 5,20). Es braucht Zeit, gebrochenes Vertrauen wiederherzustellen und Gottes Lebensmaßstäbe wieder zu etablieren. Dies wird uns etwas kosten! Jesus kostete es sein Leben!
Laßt uns die Nöte dieser Generation erkennen und in der praktischen Liebe Jesu überwinden. Allein Gott kann wieder Leben und Sinn in die Nichtigkeit ihres Seins bringen. "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden." (Mt 9,37-38 Einheitsübersetzung)
* Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift DER AUFTRAG (Ausgabe Nr. 66). www.der-auftrag.de
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