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Interview mit Gottlob Heß: "Es ist Freundschaft entstanden ..."
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Nebeneinander der Konfessionen oder versöhntes Miteinander in Vielfalt?
- Interview mit Gottlob Heß (Interview-Redaktion: Rolf-Dieter Braun)-
Seit über drei Jahrzehnten ist das Ökumenische Lebenszentrum (ÖLZ) in Ottmaring bei Augsburg ein wichtiger Impulsgeber für die Einheit der Christen. Die Verbindung von solider biblischer Lehre mit dem Respekt vor den Gotteserfahrungen anderer Konfessionen hat schon vielen Christen Orientierung und neue Denkanregungen gegeben. Pfarrer Gottlob Heß, einer der Leiter des ÖLZ, hat die Interview-Fragen des AUFTRAGS beantwortet.
Welche Erfahrungen mit „versöhnter Vielfalt“ und welche Hoffnungserlebnisse waren für Sie prägend?
Ich habe erlebt, wie Vertrauen entsteht. Vertrauen bedeutet: Ich rechne damit, dass Gott das Wesentliche tut. Es ist gar nicht nötig, dass ich den anderen umpräge und ihn so mache, wie ich mir einen engagierten Christen vorstelle. Vielmehr kann ich gelassen sagen: „Herr, du kennst ihn, du kennst mich. Lass doch deutlich werden, was für ihn dein Wille ist und für mich dein Wille ist.“
Vertrauen entsteht v. a. über persönliche Kontakte. Das haben wir hier im Ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring1 in den 37 Jahren unseres Bestehens immer wieder neu erlebt. In der Begegnung zwischen evangelischen und katholischen Christen ist Vertrauen gewachsen. Und dieses Vertrauen hilft, das Fremde am anderen, das Andersartige nicht von vornherein abzulehnen. Vertrauen überwindet Ängste.
Diese Berührungsängste sind zunächst einmal ganz verständlich. Mir fällt dabei der schmerzliche Schreck des Apostels Petrus ein, als er dieses Tuch mit den unreinen Tieren vom Himmel herabkommen sieht2. Letztlich ist es der Heilige Geist, der ihn dann in aller Liebe dazu drängt, sich auf die Einladung des Centurio Cornelius einzulassen und in dessen Haus zu kommen. So etwas hatte er offenbar vorher in seinem ganzen Leben noch nie getan; die Berührungsängste gegenüber allem Heidnischen hatten das verhindert.
An welche praktischen Erfahrungen mit „Grenzüberschreitung“ denken Sie da?
Wir haben kürzlich eine sehr gute Erfahrung gemacht: Zwei katholische Christen von der Fokolar-Bewegung und ich haben eine katholische Bewegung besucht, die vieles anders lebt, als wir es hier gewohnt sind. Nach dem eintägigen Gespräch sagten uns die fünf Priester, mit denen wir dort gesprochen hatten: „Euch gegenüber konnten wir uns wirklich öffnen, auch mit unseren innersten Anliegen, weil wir den Eindruck hatten: Ihr kommt nicht gleich mit kritischen Fragen, sondern ihr seid offen, hört gut zu und fragt dann, nachdem ihr zugehört habt, in einer freundlichen Weise nach.“
Bei praktischen Erfahrungen denke ich vor allem auch an die Begegnung mit katholischen Christen aus der Fokolar-Bewegung3, die aus einer tiefen Erfahrung mit dem Evangelium am Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden ist. In der Begegnung mit Christen aus der Fokolar-Bewegung kann man lernen, dass das Evangelium nicht nur gekannt werden will, sondern dass es gelebt werden will. Von den Christen der Fokolar-Bewegung lernen wir evangelische Christen hier in Ottmaring, dass es immer wieder gut ist, einen einzigen Vers aus der heiligen Schrift für eine gewisse Zeit zu bedenken und zu leben.
Und dann habe ich als Lutheraner gelernt, die Zeichenhaftigkeit des katholischen Glaubens und des katholischen Gottesdienstes zu schätzen. Das Wort Gottes will sich verleiblichen, es will nicht nur unsere Ohren erreichen und mit unserem Herzen beantwortet werden, sondern mit allen Sinnen. Und da ist in manchem die katholische Welt farbiger, leibhaftiger, sinnenhafter als die evangelische Welt.
Außerdem haben wir alle durch die Begegnung mit katholischen Christen gelernt, das heilige Abendmahl wieder tiefer zu lieben. Ich habe durch katholische Christen auch Maria neu und tiefer verstehen gelernt als Mutter Jesu und als Frau, die in exemplarischer Weise in der Nachfolge Jesu gelebt hat. Und ich habe auch die Aufgabe und Stellung der katholischen Bischöfe schätzen gelernt, weil mir - bei aller Wertschätzung von synodalen Entscheidungen - deutlich geworden ist: Es kommt doch letztlich darauf an, dass in wesentlichen Fragen einer sich hinstellt und deutlich und klar ausspricht, wie Kirche denkt und wie Kirche in einer bestimmten aktuellen Frage handeln sollte.
Hier in Ottmaring leben evangelische und katholische Christen zusammen. Wie ist das aber mit den Kontakten zu den Freikirchen?
Hier in Ottmaring hatten wir auf evangelischer Seite schon immer gute Beziehungen auch zu den freikirchlichen Gemeinschaften in Augsburg und darüber hinaus. So haben wir von unseren freikirchlichen Geschwistern manches gelernt.
Für katholische Christen ist es nicht ganz einfach, die Vielfalt auf evangelischer Seite - im landeskirchlichen und freikirchlichen Bereich - überhaupt zu durchschauen und einzuordnen. Aber wir denken, dass die beiden großen Kirchen auch hier gut dran tun, den Christen aus den Freikirchen mit neuer Wertschätzung zu begegnen und dort, wo es am Platz ist, auch deutlich zu sagen: „Es tut uns Leid, dass wir in einer gewissen Überheblichkeit bisher vor allem die evangelischen Landeskirchen im Blick hatten.“ Die Christen aus der Fokolar-Bewegung hier in Ottmaring haben sich stärker der freikirchlichen Welt angenähert und nehmen sie jetzt deutlicher wahr.
Wir möchten hier in Ottmaring den Reichtum und den Schatz des freikirchlichen Charisma gerne zur Kenntnis nehmen: Da ist zum Beispiel die Freude und der Mut zur Evangelisation und das Ziel, andere Menschen zu Jesus zu führen - das alles halten wir für sehr wichtig. Und darüber freuen wir uns.
Gibt es auch berechtigte Unterschiede zwischen Konfessionen und Frömmigkeitsstilen?
Berechtigte Unterschiede wird es geben und muss es auch geben, denn wir sind verschiedene Glieder an dem einen Leib4. Aufgrund des unterschiedlichen nationalen und kulturellen Hintergrundes gibt es berechtigte Unterschiede. Das Evangelium will sich „inkulturieren“ in die jeweils vorfindliche Kultur, damit es wirklich verständlich wird. Paulus sagte einmal, das er bereit sei, für die Griechen selber „auch zum Griechen zu werden“5, weil er sie zum Glauben einladen will. Und dieser Vorgang wird natürlich auch zu Unterschieden führen: Trotz aller Gemeinsamkeit in dem dreieinigen Gott und seiner Offenbarung darf und wird es Unterschiede im Stil und in den Prägungen geben.
Ein weiser Mensch hat es einmal so formuliert: - Im Notwendigen die Einheit, - im Zweifelhaften die Freiheit, - in allem die Liebe.
„Im Notwendigen die Einheit“ - das bedeutet: In der Offenbarung Gottes in Jesus Christus, wie es uns in der Bibel überliefert ist, sind wir wirklich eins; ebenso im Glauben an den dreieinigen Gott, wie es sich z. B. im Nizänischen Glaubenbekenntnis niedergeschlagen hat. Und dann ist es auch möglich, manches Unterschiedliche als Bereicherung anzusehen.
Wieso ist der Weg zur Versöhnung zwischen den Konfessionen so lang? Warum so schmerzhaft?
Der Weg zur Versöhnung zwischen den Konfessionen war lang, weil die Konfessionskirchen sich nach der jeweiligen Trennung oder Abspaltung zunächst bekämpften. Sie mussten wohl zunächst zur eigenen Identität finden - und das geschah in Abgrenzung voneinander.
Es dauerte aber verhältnismäßig lange, bis sie zu einem einigermaßen erträglichen Nebeneinander fanden. Augsburg ist dafür ein gutes Beispiel: Dort wurde ab 1650 nach dem Gegeneinander die Parität gelebt - also ein gleichberechtigtes Nebeneinander auch in der Verantwortung für die Stadt. Das bedeutet, dass die evangelischen Bewohner der Stadt in allen Gremien in gleicher Stärke vertreten waren wie die Katholiken. Das hatte sicher gewisse Nachteile, weil man sich immer wieder stur stellte und wesentliche Entscheidungen auf die lange Bank geschoben wurden. Aber immerhin gab es in Augsburg diese Parität und das wird jedes Jahr am 8. August in einem Friedensfest gemeinsam gefeiert.
Der Weg war also lang. Er war auch schmerzhaft, weil er ja immer Menschen betrifft und nicht nur Kirchenverwaltungen. Diese Menschen kennen einander als Freunde, Nachbarn, als Christen, sie wissen sich von dem selben Gott angesprochen - und erfahren dennoch Trennung im Glauben. Bis heute erleben wir immer wieder, wie schmerzhaft diese Trennung z. B. in konfessionsverbindenden Ehen empfunden wird. Diese Eheleute können darum Pioniere der Ökumene sein: Das Gemeinsame versöhnt suchen und sich am Unterschiedlichen freuen, weil es bereichert.
Warum ist Versöhnung die einzige Möglichkeit einer echten Annäherung?
Die Konfessionskirchen sind - bei aller Verschiedenheit - Träger der einen Botschaft von der heimholenden Liebe des Gottes Israels und Vaters Jesu Christi. Dieser Gott, der die Welt am Kreuz Jesu Christi mit sich selbst versöhnte, möchte, dass sein Bodenpersonal versöhnt miteinander lebt. Das wird jedem deutlich, der die Bibel liest.
Versöhnung ist darum die einzige glaubwürdige Weise, sich aus der Distanz anzunähern und ein neues Miteinander zu suchen. Und letztlich warten diejenigen, die heute nach Gott suchen, auf ein gemeinsames Zeugnis von dem einen Gott der Liebe.
Wer sich dem Schmerz der Trennung stellt, sieht ein, dass die Annäherung der verschiedenen Konfessionskirchen nicht von oben oder von unten gemacht werden kann, sondern dass diese Annäherung im Sinne von Versöhnung wie eine zarte Pflanze wachsen muss. Und das geschieht über persönliche Kontakte, die zu Freundschaften führen.
Wenn man beim Abendmahl nicht an der Kommunion der anderen Kirche teilhaben kann, dann ist das der tiefste Schmerz, weil wir in vielem wirklich eins sind. Wir können diesen Schmerz nur aushalten in der Hoffnung, dass unsere Kirchenverantwortlichen die Entwicklung hin zur Einheit beschleunigen.
Was hat die Versöhnungsinitiative Gottes mit der Versöhnung zwischen Menschen - d. h. zwischen den Konfessionen - zu tun?
Der Ausgangspunkt für die Versöhnung zwischen Menschen ist Gottes Rettungstat. Seine Versöhnungsinitiative bedeutet, dass er jeden einzelnen Menschen, der dazu bereit ist, in die Beziehung mit dem dreieinigen Gott zurückholt.
Der Tod Jesu am Kreuz, diese Herabneigung Gottes zu uns Menschen, das ist die Quelle, aus dem die Kraft zur Versöhnung mit anderen Menschen fließt. Deshalb müssen wir immer wieder neu „aus dieser Quelle trinken“, d. h. Gottes Versöhnung bedenken und annehmen, wie es z. B. im Abendmahl geschieht. Das motiviert uns, auch unter uns versöhnende Zeichen zu setzen.
Was muss im Leben der Einzelnen geschehen, damit größere Gemeinschaften von Christen zueinander finden können?
Jede Veränderung im Großen beginnt im Herzen des Einzelnen und vor allem in seinen Beziehungen. Im Kleinen wird er lernen, angstfreier zu leben und weniger zu urteilen; er wird lernen, stattdessen zu fragen: „Wie hast du das gemeint? Wie empfindest du das? Was bedeutet dir das? Warum ist dir das so viel wert?“
Wer auf diese Weise freier geworden ist und angstfrei in ein offenes Gespräch eintreten kann, wird dann auch auf anderen Ebenen Gespräche führen können: in ökumenischen Kreisen bis hin zu Synoden und zu theologischen Ausschüssen, an denen ja auch Nichttheologen teilnehmen.
Zuerst sollten die geistlichen Gemeinschaften einander besser kennen lernen und in engerer Verbundenheit dem Ruf Jesu folgen, das Reich Gottes zu bauen. So könnten sie wirklich ein versöhntes und versöhnendes Vorbild sein für die Kirchen, zu denen sie gehören.
Seit 1998 sind die geistlichen Gemeinschaften in der katholischen Kirche, in den evangelischen Kirchen, in den Freikirchen auf einem solchen Weg zueinander6 und tragen damit zur Versöhnung im Leib Christi bei. Der Begegnungstag „miteinander - wie sonst?“ am 8.12.2001 in München7 war ein besonders wichtiger Schritt in dieser Richtung.
Kann man aus diesen Entwicklungen schließen, dass das „Nebeneinander“ der Konfessionen zu Ende geht und zu einem „Miteinander“ wird?
Im 20. Jahrhundert ist tatsächlich ein umfassender Aufbruch zueinander hin geschehen: Nach dem Ersten Weltkrieg entstand in der katholischen Kirche die liturgische Bewegung als „Schrittmacher“ für das ökumenische Zusammenrücken nach dem Zweiten Weltkrieg. Dann kam es zum Glück zum zweiten Vatikanischen Konzil. Dieses Konzil war wie ein Leuchtzeichen: Es zeigte, dass der ökumenische Weg auch für die katholische Kirche gangbar ist und dass sie ihn bewusst gehen möchte. Diese neue Perspektive hatte nicht mehr die „Heimholung aller anderen Kirchen“ unter das Dach der katholischen Kirche zum Ziel, sondern war ein neues Fragen nach den Schätzen, die den anderen Kirchen zuteil geworden sind. In dem allen sehe ich den Heiligen Geist am Wirken.
Zur gleichen Zeit, in der das Vatikanische Konzil stattfand, brach auch in den USA und später bei uns in Europa die charismatische Erneuerung auf und hat den Kirchen neu Kraft gegeben, sich in einer versöhnten Weise auf den Weg Jesu Christi zu begeben. Deshalb betrachte ich die letzten fünfzig Jahre als Aufbruchsjahre. Auch wenn es immer wieder Lähmung und depressive Stimmung zu geben scheint, der Heilige Geist bleibt weiter am Wirken in unseren Kirchen - nicht nur an der Basis, sondern auch bei den Kirchenverantwortlichen. Das ist für mich wirklich Grund zur Freude.
Welche „Hoffnungserfahrungen“ geben Ihnen die Überzeugung, dass auch die Kirchenleitungen das Gemeinsame suchen und nicht nur auf die eigenen Interessen sehen?
Sicher gibt es in allen Kirchen Ängste um den eigenen Bestand. Diese Angst führt dann zu einer stärker nach innen gewandten Bestandssicherung und zur Abgrenzung von anderen. Aber ich denke, dass die verantwortlichen Männer und Frauen in den Kirchen inzwischen gesehen haben, dass die Kirche Jesu Christi ihre Aufgaben dann am besten erfüllt, wenn wir gemeinsam, vielstimmig und vielfarbig Gott bezeugen und sein Evangelium weitersagen.
In diese Richtung deuten auch erfreuliche Signale von Papst Johannes Paul II., von Kardinal Kasper, der für den Einheitsrat verantwortlich ist und auch einer ganzen Reihe von weiteren Kardinälen. Vom orthodoxen Patriarchen in Konstantinopel hört man Ähnliches. Und auch aus unseren Kirchen kommen wirklich sehr positive Signale.
Sehr wichtig ist aber, dass zwischen kirchenleitenden Persönlichkeiten viel Freundschaft entstanden ist. Und das bedeutet auch: Man kann im Vertrauen miteinander sprechen; man kann auch über Schwierigkeiten sprechen und muss sich nicht mehr abgrenzen. Deshalb habe ich Hoffnung.
Welche Höhepunkte gab es in dieser Entwicklung?
Für uns hier in der Nähe Augsburgs war natürlich das große Fest am 31. Oktober 1999 ein solcher Höhepunkt: Damals wurde die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von der katholischen Kirche und vom Lutherischen Weltbund unterzeichnet.8
Die Ernennung des Rottenburger Bischofs Walter Kasper zum Leiter des Einheitssekretariats in Rom war ein weiteres positives Zeichen, weil dieser die Situation hier in Deutschland, wo die Konfessionen so hautnah zusammenleben, kennt. Darüber bin ich sehr froh.
Wir erleben auch, dass die wichtigen Ausschüsse der großen europäischen Kirchen Interesse am ökumenischen Leben vor Ort haben. Im Januar war der Hauptausschuss der Konferenz Europäischer Kirchen, zu dem evangelische, orthodoxe und anglikanische Delegierte gehören, bei uns hier zu Gast gemeinsam mit dem Hauptausschuss des katholischen Rates der Europäischen Bischofskonferenzen. Beide Ausschüsse haben es genossen, dass sie hier ökumenischem Leben begegneten, dass sie mit uns beten, mit uns Eucharistie feiern und dann in dieser Atmosphäre Fragen der Ökumene besprechen konnten.
Jesus hat keine Zugeständnisse gemacht, wenn es um die Wahrheit ging. Wie kann nun eine versöhnte Haltung aussehen, die doch kämpferisch werden muss, wenn es um die Wahrheit geht?
Die große Herausforderung - und damit die gemeinsame „Front“ der Bewährung - verläuft heute nicht mehr im Bereich des Glaubens, sondern im ethischen Bereich. Im Glauben an den dreieinigen Gott sind wir uns eigentlich tief einig. Aber die Fragen nach Beginn und Ende des Lebens, nach dem medizinischen Umgang mit künstlich gezeugten Embryonen und dann auch die Frage nach den Lebensformen - das wird uns immer wieder gemeinsam beschäftigen müssen. Es geht um die Frage nach Gottes Schöpfungsordnung, der Ehe, und die Frage, wie sich dazu homosexuelle Partnerschaften verhalten.
In all diesen Fragen wäre es gut, wenn die Kirchen gemeinsam und deutlich im Sinne der Heiligen Schrift antworten können. Manchmal habe ich den Eindruck, die katholische Kirche ist hier klarer in ihren Stellungnahmen als manche unserer evangelischen Verantwortlichen. Ich hoffe, dass sich der gemeinsame Glaube in diesen Herausforderungen bewährt und dass wir so deutlich die Wahrheit in Liebe sagen, wie Jesus es uns nahe legt.
Gottlob Heß (geb. 1936) ist Pfarrer der Ev. Landeskirche in Bayern (seit 2001 im Ruhestand) und wohnt seit 1989 in Ottmaring bei Augsburg, wo er der Bruderschaft vom gemeinsamen Leben angehört und gemeinsam mit seiner Frau und den beiden Verantwortlichen der Fokolar-Bewegung zum Leitungsteam des Ökumenischen Lebenszentrums Ottmaring gehört. Er ist Vater von vier Kindern. - Die Interview-Fragen stellte Rolf-Dieter Braun.
Internet-Service
Sie können Kontakt zum Autor aufnehmen unter gottlob.hess@gmx.de
Interessante Internet-Adressen zum Artikel-Thema: www.ottmaring.org www.fokolare.de www.miteinander-wie-sonst.de
Das Ökumenischen Lebenszentrum (ÖLZ) in Ottmaring bei Augsburg9
Die Geschichte dieses Zentrums begann 1960 mit einem ersten Kontakt zwischen der Bewegung der Fokolare und der Bruderschaft vom gemeinsamen Leben. Die Idee, ein gemeinsames Zentrum zu bauen, wurde vom katholischen Bischof von Augsburg und vom Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern gefördert. Die ersten Häuser wurden 1968 fertig gestellt und eingeweiht.
Wie die Bezeichnung schon andeutet, handelt es sich nicht um ein Studienzentrum oder um einen Ort für soziale und missionarische Aktivitäten. Dieses Zentrum setzt sich zusammen aus kleinen Zellen von Familien und Ehepaaren sowie von Kommunitäten lediger Männer und Frauen, die ihre jeweilige konfessionelle Identität behalten. Am Abend, nach dem Arbeitstag, trifft man sich zum täglichen gemeinsamen Gebet und Austausch. Über die Grenzen dieser Einheit schreibt ein Mitarbeiter: „Dieser Prozess des Einswerdens in Christus behält allerdings für uns immer auch einen ‚Stachel im Fleisch‘: nämlich den Verzicht auf die gemeinsame Kommunion trotz häufiger Feiern von Messe und evangelischem Abendmahl. Dazu nötigt uns Evangelische der Respekt vor dem Gewissen unserer katholischen Partner.“
In Ottmaring wurde das Fest der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung am 31.10.1999 und auch der Begegnungstag Miteinander - wie sonst am 8.12.2001 in München vorbereitet.
Aus einem kleinen Anfang mit ca. 25 Personen ist inzwischen eine ökumenische Siedlung geworden; heute zählt das Zentrum 25 Wohnhäuser und ca. 140 Personen. Die wachsende Zahl von Gästen legte den Bau einer eigenen Tagungsstätte nahe, die 1976 eingeweiht wurde.
Ökumenisches Lebenszentrum Ottmaring e. V. Eichenstrasse 31 D-86316 Friedberg Tel. 0821/602041 E-Mail: gottlob.hess@gmx.de Internet: www.ottmaring.org
Lesetipps
- DER AUFTRAG, Nr. 75 (Thema: Auf der Suche nach der verlorenen Einheit) - Gottlob Heß, „Über Gnade zu streiten, ist out!, Die Bedeutung der Augsburger ‚Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre‘“, in: DER AUFTRAG Nr. 74, S. 41ff.
Anmerkungen der Redaktion
1 Vgl. die Angaben im oben stehenden Informationstext über das ÖLZ Ottmaring.
2 Apg 10,9-23.
3 Info-Adresse: Fokolar-Bewegung, Eichenstraße 31. D-86316 Friedberg, Tel. 0821/602041, Internet: www.fokolare.de.
4 Vgl. Röm 12,4f.
5 Vgl. 1 Kor 9,20f.
6 Über diese Entwicklung kann man sich z. B. über die Website www.miteinander-wie-sonst.de und in der Zeitschrift Neue Stadt informieren, die von der Fokolar-Bewegung herausgegeben wird. Besonders interessant: die Ausgaben Nr. 10/2000 (S. 13ff., S. 17ff.) und Nr. 1/2002 (S. 28ff.: Bericht über den Begegnungstag am 8.12.2001 in München). Info-Adresse: Verlag Neue Stadt, Münchener Str. 2, D-85667 Oberpframmern, Tel. 08093/2091, E-Mail: verlag@neuestadt.com.
7 Vgl. das Interview mit Helmut Nicklas in dieser Ausgabe des AUFTRAGS und die Website www.miteinander-wie-sonst.de.
8 Siehe Lesetipps.
9 Zusammengestellt nach einem Text von Günther Rattey (Geschichte des Ökumenischen Lebenszentrums Ottmaring; Referat vom 25.1.2002).
Quelle: DER AUFTRAG Nr. 83
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