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Mit Jesus Geschichte schreiben  
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Was haben Gebet und Fürbitte mit unserer Zukunft zu tun?


von Kerstin Hack



Ein Märchen erzählt von einem Jungen, der eine Flasche findet, in der ein Geist eingeschlossen war. Als der Geist freigelassen wird, ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten der Veränderung - sowohl für sein persönliches Leben als auch für das seiner (politischen und sozialen) Umwelt. Man kann Jesus natürlich nicht mit einem Flaschengeist vergleichen, aber dennoch ist dieses Märchen ein gutes Bild: Was könnte alles passieren, wenn Jesus aus den frommen Gefängnissen, in die wir ihn eingesperrt haben, befreit wird und sich in voller Kraft in unserem Leben und Land entfalten kann?



Wir sind berufen, Verantwortung für diese Welt zu übernehmen; das können wir nur mit dem lebendigen Jesus an unserer Seite. Wir brauchen Erneuerung unseres Denkens, Befreiung von den „mentalen Gefängnissen“, in die wir Jesus eingesperrt haben.


Nr. 1: Das „heilige“ Gefängnis

Was hält viele Christen davon ab, den lebendigen Gott in ihrem ganzen Leben zu erleben? Es ist die Zweiteilung des Lebens in eine sog. „geistliche Welt“ (Gottesdienst, Gebet, Gemeinschaft und Gottes Wort) und in die „normale Alltagswelt“. Jesus kannte diese Trennung nicht: Er half einem erfolglosen Fischer, seinen Tagesprofit zu verbessern, und hat dann das Erlebte wieder als Bild verwendet, um von der göttlichen Berufung im Leben des Petrus zu sprechen (vgl. Lk 4,44- 5,11). Jesus kümmerte sich um die Steuerschulden seines Jüngers ebenso wie um seine fieberkranke Schwiegermutter (vgl. Mt 17,24-27 und Mt 8,14.15) oder um die seelische Not eines verachteten Zöllners. Er konnte mühelos zwischen der „geistlichen“ und der „praktischen“ Ebene „wechseln“, weil es in seinem Leben keine künstliche Trennung zwischen „heilig“ und „alltäglich“ gab. Wir tun uns da schwerer. Anstatt mit Gott in der real existierenden Welt zu leben, bauen wir uns eine künstlich-fromme Welt mit eigenen Spielregeln, in der wir „für Gott“ leben wollen.

Häufig reagieren selbst erfahrene Christen erstaunt, wenn ich erzähle, daß ich beim Einkaufen Jesus bewußt einbeziehe und ihn z. B. bitte, mir bei der Auswahl der Lebensmittel zu helfen. Ich erlebe, daß er mich leitet, die Lieblingsspeisen meiner Gäste einzukaufen. Die Gäste sind überrascht, daß ich genau das Richtige ausgewählt habe. Das bietet ein Sprungbrett, um ihnen von der Liebe Gottes zu erzählen, der unsere persönlichen Bedürfnisse kennt. Wir müssen Menschen den Gott nahebringen, der ihr Leben teilen will. Ein Gott, der „nur die Rettung ihrer Seele“ will, ist für die meisten modernen Menschen unendlich fern. Sie müssen zuerst erleben, daß Gott sich auch um ihre aktuellen Bedürfnisse und Probleme hier auf Erden kümmert, bevor sie sich entscheiden, im Himmel mit ihm leben zu wollen.


Nr.2: Das Gefängnis des Immateriellen

Die Völker der Erde sehnen sich nach einem erlebbaren Gott, der über Krankheit und Tod genauso Herr ist wie über verseuchte Brunnen und Atomverstrahlung! Gottes Versprechen der Wiederherstellung geht über das Vergeben von Schuld hinaus, bis hin zur Heilung des Landes (vgl. 2 Chron 7,14). Das ist keine fromme Allegorie, sondern eine Tatsache, die erlebt werden kann. In Almalonga z. B., einer Stadt in Guatemala, hat sich die Erfahrung der Heilung auch auf die Natur ausgedehnt. Diese Stadt wurde - als Antwort auf die intensiven Gebete der Gläubigen - in den letzten Jahren stark von Gott heimgesucht. Die Produktivität der Felder nahm mehr als vierzigfach (!) zu, die extreme Armut der Stadt konnte besiegt werden. Wenn wir Veränderung sehen wollen, müssen wir mit einem großen Gott rechnen, dessen Macht unbegrenzt ist!


Nr.3: Das Gefängnis des Individualismus

Mein Jesus und ich - das genügt! Wirklich? Jesus will nicht nur in uns leben, sondern mit uns und durch uns die Gesellschaft verändern. Wir sind als Christen das Salz der Erde und tragen Verantwortung für unser Land. Womit soll man diese saft- und kraftlose Welt „salzen“, wenn wir nicht unsere gottgegebene Verantwortung wahrnehmen? Wir sind berufen, mit Christus zu herrschen, Verwalterschaft für diese Welt auszuüben. Das kann in direkter politischer und gesellschaftlicher Verantwortung geschehen, oder auch, indem Gott durch unser Gebet verändernd eingreift.


Nr. 4: Das Gefängnis „Beten nur im stillen Kämmerlein“

Lange Zeit hatte ich ein sehr einseitiges Bild von Fürbittern: Menschen, die in stundenlangem, einsamen Gebet das Eingreifen des Herrn erflehen. Inzwischen weiß ich, daß bei Gott nicht nur das „Gebet im stillen Kämmerchen“ zählt. Gott braucht auch Menschen, die prophetisch-proklamativ sein Wort ausrufen; er braucht andere, die predigend zum Gebet motivieren, wieder andere, die vernetzen, die das Land erforschen usw.

Christen, die zu Besuch in Kalkutta waren, fragten die einheimischen Gläubigen: „Was ist das größte Problem in der Stadt!“ Die überraschende Antwort: „Eine völlig korrupte Verwaltung, die selbst für das Ausstellen von Totenscheinen hohe Bestechungsgelder verlangt.“ Die Christen gingen zum Verwaltungssitz und baten Jesus, konkret einzugreifen und die Korruption zu beenden. Einige Wochen später fiel das ganze Gebäude in sich zusammen. Mit dem Neuaufbau kam auch ein neuer Leiter, der die korrupten Beamten entließ und Ordnung in die Verwaltung brachte. Ein Stück Reich Gottes war angebrochen.



Wie können wir als Fürbitter mit Jesus Geschichte schreiben?


1. „Land abstecken“ (Analyse)

Moses schickte die Kundschafter mit klaren Anweisungen los: Sie sollten herausfinden, wie das verheißene Land beschaffen war, ob mit großem Widerstand zu rechnen sei, wie die Versorgungslage aussah usw. Gott wußte natürlich, wie das Land Kanaan beschaffen war; er hätte Moses die Information auch prophetisch übermitteln können. Aber ihm war der Prozeß der wachsenden inneren Verbundenheit mit dem Land so wichtig, daß er die Aussendung der Kundschafter „in Auftrag“ gab.

Analyse ist jedoch nur der erst Schritt. Wichtig ist die geistliche Interpretation der Fakten. Als die Kundschafter zurückkamen und ihren begeisterten Bericht über die Beschaffenheit des Landes gaben, waren nur einige von ihnen überzeugt, daß - gemäß Gottes Zusage - die Hindernisse bei der Landeinnahme bewältigt werden könnten. Die Mehrzahl ließ sich jedoch von den offensichtlichen Widerständen gedanklich so gefangennehmen, daß sie hoffnungs- und handlungsunfähig wurden (vgl. 4 Mose13). Eines unserer größten Probleme ist, daß wir uns damit abgefunden haben, daß bestimmte Dinge - scheinbar - nicht zu ändern sind. Jesus ermutigt uns, kreativ zu denken und zu glauben, daß ihm nichts unmöglich ist.


2. Vision vermitteln

Ohne Vision geht ein Volk zugrunde. Der Leib Christi braucht mehr als gute Manager, die das vorhandene Potential an Geld und Mitarbeitern effektiv einsetzen können. Wir brauchen Menschen, deren Ideen und kreatives Potential nicht in die vorhandenen Schubladen paßt, sondern die Neuland beschreiten. Menschen, die nicht aufhören, davon zu träumen, was passierte, wenn Jesus sich als der erweist, der er ist: Ein Gott, der unsere Begrenzungen sprengt und der in erster Linie der Lebendige ist!

Nach dem Krieg in Ruanda ging eine Gruppe von Fürbittern in das Land und sah die Auswirkungen des grauenhaften Völkermords. Gemeinsam mit Christen aus den Volksgruppen der Hutus und Tutsis glaubten sie an einen Gott, der Haß und Trennung überwinden kann. Sie bekannten Schuld und baten Gott um Heilung des Landes. Seit dieser Zeit ist eine Welle von Versöhnung über das Land gegangen. Politiker baten um Vergebung für die Morde, die sie in Auftrag gegeben hatten; Mörder gingen zu den Familienangehörigen ihrer Opfer und baten um Vergebung; in den Gefängnissen breitet sich eine Welle von Buße und Gebet aus - die Wunden des Landes beginnen zu heilen!


3. Strategien entwickeln

Um eine Vision verwirklicht zu sehen, müssen konkrete Strategien entwickelt werden. Das Volk Israel hatte die Verheißung (Vision), das verheißene Land zu besitzen. Dennoch war es nötig, daß Josua sich konkret von Gott zeigen ließ, wie das Land Schritt für Schritt erobert werden kann. Oft gibt Gott mit einer Vision nur den Beginn einer Strategie, der Rest des Planes entwickelt sich im Laufe der Zeit.

Christen in Berlin haben die Vision, daß ihre Stadt zu einem Ort wird, von dem viel Segen nach Deutschland und in alle Welt geht. Sie träumen davon, daß „geistliche Freiheitskämpfer“ von ihrer Stadt ausgehen und Menschen aus seelischen und geistlichen Bindungen befreien. Eine der Strategien, die Gott ihnen gezeigt hat, war, Fürbitteteams aus Deutschland und dem Ausland nach Berlin einzuladen, um mit ihnen für die Stadt zu beten. Für Berliner war das gemeinsame Gebet mit den Geschwistern „von außen“ eine Erfahrung, die motivierend wirkte: Neue Gebets- und Forschungsgruppen für die Stadt und das Land wurden ins Leben gerufen, Christen gehen zu Regierungsgebäuden, beten für Politiker. Wir sind noch weit davon entfernt, die Erfüllung unserer Vision für unsere Stadt zu sehen, aber wir sind ihr schon ein ganzes Stück näher gekommen. Weitere Strategien sind noch in der Entwicklungsphase.


4. Hindernisse wegräumen

Wir nehmen Menschen in der Regel nicht nur als Individuen, sondern auch als Vertreter von Gruppen wahr. Negative Erfahrungen mit Menschen bilden oft wesentliche Hindernisse für die Ausbreitung der Herrschaft Gottes. Mauern der Trennung stehen z. B. zwischen den Bayern und Preußen, zwischen Serben und Kroaten, den Ossis und Wessis, Alten und Jungen, sogar zwischen Mann und Frau. Mauern, die zwischen uns stehen, machen uns auch immun gegen die Liebe Gottes. Gott hat uns mit dem Dienst der Versöhnung beauftragt.

Es ist erstaunlich, wie tief die Wunden sind, die wir uns als Völker gegenseitig geschlagen haben. Im Herbst 1998 baten Spanier und Portugiesen auf einem Kongreß die Südamerikaner von Herzen um Vergebung für alle Grausamkeit der Vergangenheit. Das Ergebnis war durchschlagend. Hunderte der anwesenden Südamerikaner begannen zu weinen, zum Teil sogar zu schreien, als der Schmerz und das Gefühl von Minderwertigkeit, die sich durch Jahrhunderte von Unterdrückung und Ausbeutung in ihren Seelen festgesetzt hatten, lösten.


Gott hat uns als seinen Leib zusammengestellt, und wir tragen gemeinsam Verantwortung für unseren Stadtteil, für unserer Region, für unser Land. Lange genug haben wir auch im Gebet dem Individualismus gefrönt („Ich bete nur das, was Gott mir persönlich zeigt.“) - und haben damit die gleiche Effektivität an den Tag gelegt, wie ein abgetrenntes Glied, das ohne den Rest des Leibes nicht funktionieren kann. Es ist an der Zeit, daß wir auch im Gebet lernen, uns durch gute Strukturen (Sehnen und Muskeln) zu einer effektiven geistlichen Armee zusammenfügen zu lassen (vgl. Hes 37,1-10), die diese Welt mit der Liebe Gottes durchtränkt.



Kerstin Hack studierte Völkerkunde und Anglistik und war Mitarbeiterin bei JMEM in Tübingen. Sie lebt in Berlin, wo sie sich bei DOWN TO EARTH (www.down-to-earth.de) engagiert.





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