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Kambodscha beginnt, seine tragische Geschichte aufzuarbeiten
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Wozu reist ein Referent aus Deutschland nach Kambodscha?
Frank Bauer, einer der leitenden Mitarbeiter des Hurlacher Zentrums von Jugend mit einer Mission (JMEM), war vor einiger Zeit in Kambodscha, um dort in einem JMEM-Kurs zu unterrichten. Im folgenden Interview beantwortet er Fragen zu diesem Einsatz und erzählt von seinem Schlüsselerlebnis.
Was war das Ziel dieser Reise nach Kambodscha?
Ich habe in einem Kurs, den Jugend mit einer Mission dort anbietet, unterrichtet. Weil es dabei um die praktische Nachfolge Jesu Christi geht, heißen diese Kurse "Jüngerschaftsschulen".
Dieses Schulungsprojekt war die erste Jüngerschaftsschule, die von dem dortigen JMEM-Zentrum veranstaltet wird. Mein Themenbereich hieß "Biblisch Christliche Weltanschauung" - das klingt zwar ziemlich abstrakt, aber es hat natürlich mit der politischen und mit der gesamten gesellschaftlichen Wirklichkeit zu tun. Und da wird es dann sehr konkret.
Wir haben uns deshalb auch einige Zeit mit der tragischen Geschichte Kambodschas befasst: Das hat den Kursteilnehmern geholfen, die Unterdrückung des Landes durch den Kommunismus und deren Folgen weltanschaulich zu verstehen. Erstaunlich war, dass meine kambodschanischen Zuhörer wenig über die ideologischen Hintergründe der Diktatur der „Roten Khmer“ wussten.
Konkret wurde es auch, als wir den Hinduismus, Buddhismus und Animismus mit der Biblisch-Christlichen Weltanschauung verglichen haben. Es ging vor allem darum, das Denken Gottes über die Welt, über uns als Menschen und über die Mitmenschen kennen zu lernen. Daraus ergibt sich dann eine realistische und richtige Perspektive für die Welt, für einen selbst und für die Mitmenschen. Wichtig für ein realistisches Verständnis ist aber, dass wir mutig werden und Gott immer wieder "erlauben", dass er unser Denken weiter verändert, und dass wir ihm näher kommen wollen.
Welchen Sinn macht es, dass ein Referent aus Deutschland anreist und dann in einer ganz anders gearteten asiatischen Kultur Vorträge hält?
Das kann durchaus sinnvoll sein! Dazu gleich ein Beispiel: Als ich von der Geschichte Deutschlands erzählt habe, war gerade das für diese kambodschanischen Christen in ihrer Situation ganz wichtig; es hat ihnen nämlich Hoffnung vermittelt.
Kambodscha ist ja ein gepeinigtes und verletztes Land. Die Menschen sind zutiefst von ihrer noch nicht aufgearbeiteten Vergangenheit verletzt. Erst jetzt fängt man damit an, Kriegsverbrecher des grausamen Pol-Pot-Regimes vor Gericht zu stellen - das heißt: über 20 Jahre nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer.
Am Beispiel der Geschichte Deutschlands konnten sie sehen, dass andere Länder auch ähnliche Grausamkeiten eines diktatorischen Regimes erlebt haben und dass trotzdem diese Wunden geheilt werden können, weil Gott Versöhnung und Wiederherstellung schenken kann. Das haben ja viele Menschen hier in Deutschland erlebt.
Dieser Rückblick hat sogar wie ein "Schlüssel" gewirkt; so konnte ich zu den Herzen der Kursteilnehmer durchkommen. Ich denke, das hat auch einem gewissen Minderwertigkeits- oder Schamgefühl entgegengewirkt. Dann konnte ich sie ermutigen, sich auch der Geschichte ihres Landes zu stellen und zu hoffen: Eine Bewältigung dieser geschichtlichen Lasten ist möglich und sinnvoll, wenn man Gottes Perspektive und Gottes Versöhnungsangebot in Jesus kennt.
Was kann man über die derzeitige wirtschaftliche Entwicklung des Landes sagen?
Der größte Wirtschaftsfaktor ist leider immer noch die Unterstützungsleistung von Hilfsorganisationen. Es gibt aber mehr und mehr Initiativen, die das Kleinunternehmertum fördern und damit die Menschen unabhängig von den Hilfsorganisationen machen. So wird die Wirtschaft des Landes angekurbelt.
In welchen Bereichen ist JMEM in Kambodscha tätig?
Es geht bei den Aktivitäten von Jugend mit einer Mission in Kambodscha vor allem um caritative Dienste und um Schulung von Christen. Daneben gibt es Jugendprogramme und Dienste, die geistliches Wachstum und die konsequente Nachfolge fördern.
Gibt es längerfristige JMEM-Projekte, die sich bereits bewährt haben und erkennbare Früchte zeigen?
Es gibt einige gesellschaftlich relevante Projekte, bei denen der Zusammenhang zwischen biblisch-christlichem Denken und spürbarem Fortschritt erkennbar ist.
Das "Hagar-Project", von dem wir früher schon in unserer Zeitschrift berichtet haben, ist ein gutes Beispiel dafür: Es bietet u. a. Kindern und Müttern, die auf der Straße leben müssten, ein beschützes Zuhause. Dieses Projekt ist ursprünglich von JMEM ins Leben gerufen worden. Jetzt kann es auf eigenen Beinen stehen.
Kann man heute in Kambodscha als Christ ungehindert leben?
Ja, die Kirchen wachsen. Offene Evangelisation ist im Moment aber noch kaum möglich. Kirchen sind jedoch erlaubt und das Reich Gottes wächst.
Kontaktadresse:
JMEM Hurlach Schlossgasse 1 D-86857 Hurlach
Tel. 08248/122-0 Fax 08248/122-41 info@ywam-hurlach.de
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