Wer Loren Cunningham kennen lernt, merkt recht bald, dass er in mancher Hinsicht ungewöhnlich ist:
- Er war tatsächlich schon in allen Ländern der Erde (über 220) und verbringt nach wie vor einen großen Teil seiner Zeit auf Reisen. Der Grund:
- Vor 44 Jahren hat er ein Missionswerk gegründet, das inzwischen in mehr als 150 Ländern tätig ist und nach wie vor interessante Wachstumsentwicklungen aufweist. (Man schätzt, dass inzwischen etwa 17.000 Mitarbeiter dazugehören.)
- Auch mit seinen 70 Jahren ist dieser Mann immer noch erstaunlich dynamisch und versucht ständig, die Leute um sich herum für eine Menge neuer Ideen zu begeistern.
In der Zukunft zu Hause
Es ist aber nicht die Reiselust, die diesen weltreisenden Amerikaner in Bewegung hält; er wird auch nicht von Profit-Träumen zu seinen neuen Ideen motiviert. Das von ihm gegründete Unternehmen ist nämlich ein internationales Missionswerk, das den programmatischen Namen Jugend mit einer Mission (JMEM) *1 trägt: Jedes Jahr nehmen über 30.000 junge Leute an den evangelistischen und caritativen Projekten von JMEM teil *2. Wie hoch die Zahl der Menschen ist, die dadurch die Befreiungsbotschaft von Jesus Christus hören, kann man nur vermuten.
Wieso geht es ihm vor allem um die jungen Leute? Eine Mitarbeiterin hat seine Arbeitsweise folgendermaßen beschrieben: "Er denkt permanent in der Zukunft!" Deshalb hat Loren Cunningham sich damals etwas einfallen lassen, was vor allem junge Christen in Bewegung bringen sollte. Und er hat es sich etwas kosten lassen: Als er vor etwa 50 Jahren diese interkonfessionelle Jugend-Missionsbewegung, für die es keine Vorbilder gab, ins Leben rief, gab er seine sichere Stelle als Pastor auf und wagte er den Schritt über die Grenzen seiner Konfession hinaus: Er wollte für Mitarbeiter "aus allen Kirchen, nicht nur von einer Konfession, offen sein". (S. 48f. *3)
So etwas schien damals kaum vorstellbar und fast unmöglich. "Von Unmöglichkeiten lässt Loren sich nicht einschüchtern!", sagte kürzlich jemand. Der Grund dafür ist: Er kennt Gott nicht nur vom Hörensagen, sondern hat sich als ein zentrales Lebensziel vorgenommen, Gott immer besser kennen zu lernen. Und so hat er ihn auch als den wahrhaft "All-mächtigen" und als den väterlichen Versorger im wirklichen Leben kennen gelernt.
Die frustrierten Baggerfahrer
Durch die Frage von zwei jungen Männern kam Loren Cunningham auf eine folgenreiche Idee. Er hatte gerade auf einer Reise die Probleme der Dritten Welt kennen gelernt und erzählte nun Larry und Dallas davon: "Beide arbeiteten mit schweren Baumaschinen; sie fuhren Bagger, bedienten Kräne und Bulldozer. Ich begann, Dallas und Larry von meiner Reise zu erzählen: Ich sprach über die Bettler; den Sechzehnjährigen, der auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde; die Hoffnungslosigkeit, das Wehklagen. Ich blickte Dallas und Larry an: 'Und die wirklich tolle Sache ist: Es gibt so vieles, was ihr tun könntet, um einen wesentlichen Beitrag zu leisten!' sagte ich. Sie stimmten mir zu; dann aber kam die unvermeidliche Frage: 'Wir würden gerne helfen. Aber wie könnten wir dies tun? Wir sind keine Missionare. Wir fahren Bulldozer!'" (S. 46f.)
Ihre Frage war für Loren Cunningham nicht neu: Als Jugendpastor hatte er feststellen müssen, dass es für junge Leute in den meisten Gemeinden kaum echte Herausforderungen gab: "Das System erforderte zuerst eine jahrelange Ausbildung, und nach Ablauf dieser Zeit würden die meisten ihre glühende Begeisterung für die Missionsarbeit verloren haben." (S. 47f.)
Die Lösung für Larry und Dallas sah nun folgendermaßen aus: In Liberia wurden einige Männer gesucht, die Baumaschinen bedienen konnten, um eine Straße durch den Dschungel zu einer Siedlung für Leprakranke zu bauen. Die beiden junge Männer machten tatsächlich mit. Um das Geld für diesen Einsatz selbst aufzubringen, war Dallas sogar bereit, seinen ganzen Stolz zu verkaufen: sein heißgeliebtes und gut gepflegtes Auto.
"Das Wichtigste im Leben entdecken ..."
Damit wurde nicht nur ein Traum wahr, sondern eine Verheißung, die Loren Cunningham in einer Vision von Gott bekommen hatte: Er hatte Wellen von Jugendlichen gesehen, die die verschiedenen Erdteile mit dem Evangelium überschwemmten und sich um die Menschen kümmerten. Was er nun empfand, als die ersten beiden auf dem Weg zu ihrem Afrika-Einsatz waren, beschreibt er so: "Dies waren noch keine Wellen, aber es war ein Anfang. Ich wusste ganz einfach, dass bald mehrere Tausend wie Dallas und Larry hinausgehen würden." (S. 52)
Damit behielt er Recht, denn diese Art des Einsatzes war nicht nur für die beiden Baggerfahrer eine wegweisende Lösung: Zehntausende junger Christen haben seither an ähnlichen Evangelisationseinsätzen teil genommen, dadurch erste Einblicke in die vielen möglichen Formen von Missionsdienst bekommen und herausfinden können, was davon ihrer Berufung entspricht.
Als die beiden nach einem Jahr zurückkamen, stellte Loren Cunningham fest, dass sich diese "zentrale Geschäftsidee" für sein neues "Unternehmen" bewährt hatte: "Das Gesicht von Dallas leuchtete vor Aufregung, als er über den Bau der Straße berichtete und über ihren evangelistischen Dienst an den Wochenenden. Dieses Abenteuer, sagte er, sei das Wichtigste, was je in seinem Leben geschehen sei. Ich wusste, dass - ganz gleich, was Dallas und Larry von nun an taten, - ihr Leben eine neue Dimension enthalten würde: das Wissen, eine wichtige Rolle dabei gespielt zu haben, das Evangelium in alle Welt zu tragen." (S. 60)
Kann man Gottes Stimme hören?
Die Idee des JMEM-Gründers war damals zwar etwas völlig Neues und bedeutete für alle Beteiligten ein großes Risiko, aber sie kam bei den jungen Leuten an. Woran das lag, macht eine kleine Begebenheit deutlich: "Wir erzählten von unserem geplanten Sommerdienst. Jannie reagierte spontan: 'Das ist genau das, was ich schon immer wollte - etwas Wichtiges tun!'" (S. 74) Man könnte das als die "zentrale Geschäftsidee für das neue Unternehmen" bezeichnen: "Überall hatte ich junge Leute wie Dallas und Larry getroffen, die sich danach sehnten, etwas Bedeutungsvolles zu tun." (S. 47)
Als Teenager hatte er selbst gelernt, was wirklich wichtig ist: "Etwas Tieferes bewegte mich - eine stille, beharrliche Stimme in meinem Innern sagte mir, dass mein Leben aus mehr als Autos oder Schritthalten mit anderen bestehen sollte." (S. 31f.)
Und er hatte schon früher erlebt, wie Gott Opfer- und Einsatzbereitschaft gesegnet hatte: Eine Reise nach Mexiko mit zehn anderen Jugendlichen hatte er als einen Wendepunkt in seinem Dienst empfunden: "Ich war achtzehn, wie die meisten in unserer Gruppe. Es schien fast unglaublich, aber zwanzig Mexikaner bekundeten, dass sie ihr Leben Jesus Christus geben wollten. Manche knieten direkt auf der Straße nieder, um zu beten." (S. 31) Er hatte gewagt, Gottes Auftrag ernst zu nehmen, und erlebt, dass Gott sich dazu stellt.
Dass die Zeit für solche Aktionen reif war, wusste Loren Cunningham nicht nur aus seinen Beobachtungen; ihm war schon immer wichtig, dass Gott selbst die Akzente in seinen Planungen setzen konnte. Jemand hat ihn so beschrieben: "Als erstes fällt bei ihm auf, dass er auf Gott hört und dadurch prophetische Impulse von Gott bekommt. Das hängt auch damit zusammen, dass er viel Zeit 'mit Gott verbringt'." Dahinter stehen Gedanken, die Christen aus der Bibel kennen:
- Jesus achtete ständig darauf, was seinem himmlischen Vater gerade wichtig war (vgl. Joh 5,20), und ist auch darin für seine Nachfolger ein Vorbild.
- Gott will seinen Leuten durch Worte, Bilder und andere prophetische Impulse zeigen, was ihm wichtig ist und was dran ist (vgl. Amos 3,7; Apg 2,17; 1 Kor 14,1.3).
Es ist daher sicher kein Zufall, dass der JMEM-Gründer an seine Biografie *4 ein praktisches Ratgeber-Kapitel anfügt, das den Titel trägt: "Wie man Gottes Stimme hört - zwölf wichtige Punkte"
Wo hat er das gelernt?
Diese für ihn charakteristische Lebenshaltung ist ebenfalls in Erfahrungen seiner Jugendzeit verwurzelt. Es ist deshalb auch kein Zufall, dass Loren Cunningham in seiner Biografie das Kapitel über seine Kindheit und Jugend mit dem Wort "Familienerbe" überschreibt *5: Viele praktische Lektionen hatte er von seinen Eltern lernen können.
- Sein Vater war schon als junger Pastor von Stadt zu Stadt gereist und hatte auf den Straßen gepredigt: "Meine Eltern gingen überall hin, wo sie glaubten, dass Gott sie hin sandte." (S. 19)
- "Ihr ganzer Besitz bestand aus einem acht Jahre alten Chevy, ein paar Musikinstrumenten, einigen Kleidungsstücken und natürlich ihrer Bibel. Sie waren völlig überzeugt, dass sie mit dieser Ausrüstung das Werk Gottes tun könnten, und zwar auf wirksame Weise. Dies bedeutete natürlich, dass sie Gottes Stimme deutlich hören mussten. Mein Vater und meine Mutter redeten viel über Gottes Führung. Sie waren damit vertraut, Gott durch die Heilige Schrift zu vernehmen, oder auch durch Träume und Visionen." (S. 18)
- "Der Zweck göttlicher Führung, so sagte mein Vater immer wieder, sei, dass Menschen von Jesus Christus erfahren." (S. 18)
- "Meine Eltern brachten uns bei, auf Gottes Stimme zu hören. Ich machte darin schon sehr früh, im Alter von sechs Jahren, eine persönliche Erfahrung; ich hörte, wie Gott nach einem Sonntagabendgottesdienst zu mir sprach und wusste von da ab, dass ich zu ihm gehörte. Was mir jedoch viel bedeutete, war, Gottes Stimme in den täglichen Ereignissen - von Montag bis Samstag - zu hören." (S. 19) *6
Diese Lebenserfahrungen und Zielsetzungen von Loren Cunningham kommen in dem Motto, am dem sich JMEM orientiert, treffend zum Ausdruck: "Gott kennen und ihn bekannt machen!"
Profil: Was kann man von Loren Cunningham lernen? Was beeindruckt die Menschen, die mit ihm zu tun haben, am meisten?
In einer kleinen Umfrage unter Leiterpersönlichkeiten, die Loren Cunningham gut kennen, wurden u. a. die folgenden typischen Charakterzüge und Vorbildaspekte genannt:
"Er hat keine Angst davor, irgendetwas in einer völlig neuen Art anzupacken. Und dazu ermutigt er auch andere - durch seine Worte, aber auch durch sein Vorbild."
"Er ist bereit, auf Gott zu hören und sich neue und ungewöhnliche Projekte von Gott zeigen zu lassen. Und dann hat er den Mut, diese Impulse von Gott dann auch tatsächlich ernst zu nehmen, sie auszuprobieren und umzusetzen. Dahinter steht eine Bereitschaft zum Risiko, die man als Gottvertrauen bezeichnen kann."
"Er hat die Fähigkeit, auch ungewöhnliche Visionen klar zu beschreiben. Und er kann das, was er für die Zukunft sieht, so formulieren, als wäre es schon da."
"Zu einer so verantwortungsvollen Leitungsaufgabe gehört es auch, Gottes Wegweisung zu empfangen und weiterzugeben. Das gilt aber für jeden Leiter: Für alle von uns bei JMEM geht es darum, Gottes Herzensanliegen zu verstehen."
"Er lebt 'nahe am Herzen Gottes'. Er will hören, was Gott zu sagen hat; und diese 'Anliegen aus dem Thronsaal' gibt er weiter. Gott spricht auf diese Weise Dinge an, die voll und ganz mit uns hier auf der Erde zu tun haben. Aus diesen Grund betrifft der Dienst von JMEM, wie Loren ihn akzentuiert, unsere Gesellschaft und unser ganz konkret vorhandenes Lebensumfeld vor Ort."
"Er hat die Fähigkeit, gleichzeitig viele Projekte und visionäre Pläne mit großem innerlichem Engagement zu begleiten und 'mitzutragen'."
"Von dynamischen jungen Leitern fühlt er sich nicht bedroht - im Gegenteil: Er und auch seine Frau Darlene helfen diesen jungen Leuten dabei, ihre Berufungen und Visionen ernst zu nehmen und in diese von Gott gegebenen Aufgaben hineinzuwachsen."
"Er sieht in den Menschen das Gottes Potential - und behandelt sie dementsprechend."
"Er kann Menschen - auch andere starke Leiterpersönlichkeiten - dazu motivieren, 'mit an Bord zu gehen'."
"Von ihm kann man lernen, was ein guter Leiter ist: Wenn jemand ins Geschehen eingreift, der noch größere Begabungen hat, dann kann er sich selbst zurücknehmen und dem anderen die Stafette übergeben, damit er nun das Rennen läuft."
"Zurückhaltung, was die eigene Person betrifft, und Verzicht darauf, sich selbst in den Vordergrund zu rücken"
"Er will in jeder Situation Gottes Handeln erkennen und spüren, worum es gerade tatsächlich geht."
"Er ist immer mit wenig Regeln ausgekommen und hat die ganze Arbeit auf der Grundlage guter zwischenmenschlicher Beziehungen aufgebaut."
"Die von ihm gegründete Missionsgesellschaft war eine der ersten, die interkonfessionell gearbeitet haben. Das hat einen ganz neuen Trend ausgelöst, der anscheinend 'dran war'."
"Er hat den einzelnen Leitern bei JMEM immer eine große Freiheit eingeräumt, so dass sie das tun konnten, was sie für wichtig hielten."